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17.09.2011

"Bequemschuhe - gehen die auch modischer?" (Schaumburger Zeitung 17.09.2011)

Was meisi unter anderem in der Deckberger Fabrik in zahlreichen Produktionsschritten anfertigt, nennt sich „Damen-Bequemschuh“. Das klingt nicht unbedingt jung, cool oder hip, und dass die meisi-Schuhe nicht unbedingt etwas für Jugendliche oder junge Erwachsene sind, ist auch Geschäftsführer Kurt Herrmann bewusst.
 
Deckbergen (mld).
Dass der Schuhhersteller meisi ein Traditionsunternehmen ist, darum muss man wohl nicht streiten: 1916 gegründet, nach dem Zweiten Weltkrieg in Deckbergen angesiedelt, ist es eine der wenigen selbst produzierenden Schuhfabriken, die sich bis heute noch in Deutschland halten kann.

SZ_2011-09-17


Was meisi unter anderem in der Deckberger Fabrik in zahlreichen Produktionsschritten anfertigt, nennt sich „Damen-Bequemschuh“. Das klingt nicht unbedingt jung, cool oder hip, und dass die meisi-Schuhe nicht unbedingt etwas für Jugendliche oder junge Erwachsene sind, ist auch Geschäftsführer Kurt Herrmann bewusst: „Ich gehe einfach mal davon aus, dass keine der jungen Damen hier diese Artikel kaufen würde?“, fragte er gestern in die Runde, als 20 Schüler der Industrieoberstufe der Berufsbildenden Schule Rinteln (BBS) in der Fabrik zu Besuch waren.

Sie sollen dem Unternehmen nun dabei helfen, eine jüngere Zielgruppe anzusprechen. Die Schüler befinden sich in ihrem dritten Ausbildungsjahr, erläuterte Lehrerin Sabine Struckmeier. Im nächsten Jahr werden sie ihre finale Prüfung ablegen – doch vorher ist es für die Schüler Pflicht, ein Projekt durchgeführt zu haben.

„Und dabei ist es am besten, wenn die Schüler einen Auftraggeber aus der Industrie haben“, erzählte Struckmeier. Oft sei bei den Schülern beim Stichwort „Projektarbeit“ die Motivation nicht sofort hoch, kann das doch viele zusätzliche Arbeitsstunden bedeuten. Anders sei es, wenn man eng mit der Industrie zusammenarbeite und einen wirklichen Auftrag ausführe.

Die Aufgabe: Die jungen Erwachsenen sollen eine Marktanalyse erstellen und ein Marketingkonzept entwickeln. Heißt zum einen: Sie sollen herausfinden, wie jüngere, modischere Schuhe, die meisi künftig produzieren könnte, überhaupt aussehen könnten. Dabei gibt es schon einiges zu beachten: „Wir können nun mal nicht Schuhe für 19,95 Euro produzieren“, erläuterte Herrmann. Um den Schülern das zu verdeutlichten, führte er sie durch die Produktionshallen, erläuterte jeden Arbeitsschritt. Zwar werden nicht alle, aber doch noch viele Teile des meisi-Schuhs in Deutschland gefertigt, alles ist präzise Handarbeit, zudem sei der Preis etwa für Leder in letzter Zeit gestiegen, erklärte Herrmann. Ein Halbschuh bei meisi kostet daher ungefähr zwischen 100 und 120 Euro, Stiefel gibt es ab etwa 150 Euro.

Ein Marketingkonzept für eine jüngere Linie bei meisi zu erstellen, das heißt für die Schüler auch, herauszufinden, ob 25- oder 30-Jährige diesen Preis für Schuhe auch bezahlen würden – oder wie sie dazu gebracht werden könnten.

Dass Menschen, die jünger sind als die von meisi anvisierte Zielgruppe – die über 60-Jährigen –, dieses Geld auch ausgeben würden, glaubt Herrmann, denn: Es gebe auch schon jüngere Frauen, die über Fußprobleme klagten und daher auf höherwertige Schuhe setzten.

Doch auch bei über 60-Jährigen seien die meisi-Schuhe, die über den Fachhandel vertrieben werden, „beratungsintensiv“, so Herrmann: Sie müssten auf den individuellen Fuß und auf die Bedürfnisse der Kundin abgestimmt werden. In einem modeorientierten Geschäft mit Selbstbedienung funktioniere das nicht.

„Wir wissen nicht, wie meisi von den Jüngeren gesehen wird“, so Herrmann, an die BBS-Schüler gewandt. „Und wie sieht es mit dem Natur- und Gesundheitsbewusstsein bei Jüngeren aus?“ Und wie wichtig sei die Marke des Schuhs?

Das Problem des Unternehmens, bei jüngeren Käufern anzukommen, bezeichnet Herrmann als die „Schu(h)blade“: Die Unternehmen, die bei junger Schuhmode den Takt vorgeben, sind etabliert. „Wenn wir dasselbe machen, kauft uns das niemand ab.“ meisi habe sich seinen Ruf mit einer anderen Art Schuh verdient. Es sei „unheimlich schwer“, aus dieser Schublade herauszukommen, so Herrmann.

Bis Februar haben die Schüler Zeit, sich zu überlegen, wie die meisi-Produktpalette jünger werden könnte. Dann sollen die Schüler ihre Idee dem Unternehmen präsentieren.

© Schaumburger Zeitung, 17.09.2011
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